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Museo Nacional Aeronáutico y del Espacio

Nationales Luft- und Raumfahrtmuseum Chile

- von Gerhard Schmid -

Urlaub in Chile bedeutet zumeist weites Land, die hohen Gebirgszüge der Anden, die trockenen Ebenen der Pampa und über weite Landstriche unzersiedelte Natur. Naturgemäß muss man als Luftfahrtenthusiast seine Erwartungen auch etwas niedriger ansetzen - die von Mitteleuropa gewohnte Dichte an Flugplätzen und Museen kann hier im Süden des amerikanischen Kontinents freilich niemand ernsthaft erwarten. Und doch gibt es ein echtes Highlight, das definitiv ein Strahlen auf das Gesicht des Fliegerfans zu zaubern vermag...

In unserem Fall sollte der Besuch des Museo Nacional Aeronáutico y del Espacio am Tag der Rückreise nach Deutschland noch einen finalen Höhepunkt bilden - das gelang uns, wenn auch nur knapp. Und das lag an der Auffindbarkeit der Adresse und der Erreichbarkeit des Haupteingangs. Man möchte ja glauben, dass ein Luftfahrtmuseum schon aufgrund der großen Hangars nicht zu übersehen ist, doch ohne jeglichen Wegweiser auf dem Dutzende Quadratkilometer großen Areal des ehemaligen Hauptstadtflughafens wird die Suche nach einem Eingang zur Geduldsprobe, zumal Palmen und Gebüsch auch die vor dem Museum abgestellten, eigentlich unübersehbaren Douglas DC-3 und C-47 beim Vorbeifahren mit dem Auto verdecken. Der Verzweiflung nahe haben wir an der Pforte einer auf dem Gelände befindlichen Kaserne den entscheidenden Hinweis erhalten...

Vor dem Haupteingang angekommen ist der durch die Suche angesammelte Frust schnell vergessen. Schon der Weg zum Haupteingang stimmt glücklich, bilden doch zu beiden Seiten des Weges zahlreiche gut gepflegte Flugzeuge ein eindrucksvolles Spalier. Bei schönem Wetter kann man hier schon einige Zeit vor dem Eingangsbereich verbringen, ehe die helle, einem gigantischen Wintergarten ähnliche Eingangshalle den Besucher in das Innere der großen Ausstellungshalle lockt. Im Innenbereich angekommen müssen sich die Augen schon bald wieder auf neue Lichtverhältnisse einstellen. Je weiter man sich von der Mittelachse der Eingangshalle nach rechts oder links in die Ausstellung begibt, desto rarer macht sich das Licht. Nur ein Blitz oder eine gute Kamera mit lichtstarkem Objektiv und/oder verlustarmen hohen ISO-Einstellungen können hier noch helfen.

Durch die Geschichte der Luftfahrt führen im ersten Stock sehr aufwendige und schön gestaltete Dioramen, angefangen von einem lebensgroßen Leonardo da Vinci in seinem Arbeitszimmer bis zu den ersten Fliegern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Außenbereich hinter dem großen Museumshangar bietet dann noch viel Platz für diverse militärische und zivile Flugzeuge, die schon aufgrund ihrer Größe nicht in die Ausstellungsräume passen.

Am Ende waren wir glücklich, nach anfänglichem Suchfrust dieses sehr schöne Museum besichtigt zu haben, zumal neben einem Bo 105 Hubschrauber noch zwei an der Decke aufgehängte echte deutsche Raritäten zu entdecken waren: Eine Gö 3 "Minimoa", das 1935 konstruierte, legendäre Segelflugzeug des Konstrukteurs und Segelfliegers Wolf Hirth und ein Scheibe "Specht", der von Scheibe Flugzeugbau in Dachau bei München ab 1953 gebaut wurde. Für mich als aktiven Oldtimer-Segelflieger zwei wirkliche Hingucker...

Weitere Infos zum Museum, der Anfahrt und den Öffnungszeiten sind auf der - leider aktuell nur in spanischer Sprache verfügbaren - offiziellen Website zu finden: http://www.museoaeronautico.gob.cl/

Über viele Jahrzehnte weltweit und damit selbstverständlich auch in Chile waren die Douglas C-47 und DC-3 im Dienst. Diese DC-3C flog von 1954 an für LAN Chile und wurde 1975 aus dem aktiven Dienst genommen.

Einen bewegten Lebenslauf hat diese C-47: 1944 gebaut diente sie zunächst bei der der USAAF, wurde 1947 an eine amerikanische und noch im gleichen Jahr an eine argentinische Cargo-Gesellschaft verkauft. 1966 bis 1990 flog sie für Aerolineas Argentinas. 1991 wurde sie mit 32.379 Stunden an Aerocargo Regional in Chile verkauft, wo sie bis 1997 flog.

Die F-86 Sabre wurde auch von mehreren Luftwaffen Südamerikas betrieben, jedoch nie von der Fuerza Aérea de Chile. So ist diese Sabre auch im Farbschema der Luftwaffe von Honduras ausgestellt.

Die Beech C-45 Expeditor wurde von vielen Luftwaffen genutzt, so auch in verschiedenen Rollen in Chile. Daneben ein Sikorsky HSS-1 Seabat. Von 1965 bis 1992 war der Sternmotor-Helikopter bei der Chilenischen NAVY als U-Boot-Jäger im Einsatz.

Die vor dem Haupteingang ausgestellte Dassault Mystére IV A trägt die Hoheitszeichen der israelischen Luftwaffe.

Ähnlich dem HSS-1 Seabat, jedoch mit Turbinenantrieb ausgestattet, war der Sikorsky S-55 ebenfalls über viele Jahre in unterschiedlichen Einsatzbereichen eingesetzt.

Ein Exot begrüßt den Besucher der Museumshalle. Von dem einmotorigen Auflärer Vought-Sikorsky OS2U "Kingfisher" wurde zwischen 1940 und 1942 1519 Stück gebaut, 15 davon wurden 1942 an die chilenischen Lufstreitkräfte ausgeliefert.

Der Eingangsbereich wird überpannt von einer Galerie, die dem Besucher einen Blick von oben auf den Mittelteil der Halle gestattet, ähnlich dem Blick eines Fluglotsen aus dem Tower auf das Vorfeld.

Der Fokker DR.1 Dreidecker flog nie in Chile, anders als die PBY-5 A / OA-10 A Catalina. 1943 erwarb Chile 5 Maschinen, 1948 ein weiteres Los. Ausgemusterte Catalinas fanden in Chile lange als Löschflugzeuge verwendung. Die ausgestellte Maschine mit der Seriennr. 44-34009 wurde dem Museum 1997 gespendet.

Diese einzige erhaltene LAN 18 ist der Nachbau der Fairchild FC-2W2 aus dem Jahr 1929. Die Weltwirtschaftskrise ließ keine großen Investitionen zu, so baute die chilenische Airline Linea Aérea Nacional die Maschinen nach und rüstete sie mit einem 450 PS P&W Wasp Motor aus. 6 Exemplare entstanden so 1934 und flogen bis 1939.

Dies ist kein Stearman sondern die vermutlich letzte existierende Naval Aircraft Factory N3N-1. 1944 erwarb die Chilenische Luftwaffe vier Stück als Trainer für künftige Kingfisher-Piloten. 1950 ausgemustert diente die ausgestellte Maschine bis 1980 beim Santiago Gliders Club und Valparaiso Air Club als Schleppflugzeug für Segelflugzeuge ehe sie an das Museum gespendet und restauriert wurde. Heute ist sie ein nationales Denkmal.

Die Miles M2 Hawk Major wurde in England als Sportflugzeug entwickelt und von 1934 bis 1939 gebaut. Im zweiten Weltkrieg wurde die "Hawk Major" für das Militär als "Hawk Trainer" produziert. Die ausgestellte Maschine kam 1936 nach Chile.

Emilio Edwards Bello war der erste Pilot Chiles. Seinen ersten Flug absolvierte er bei der Flugwoche im französischen Reims 1909 mit einer Voisin Tipo Celular wie der hier ausgestellten Replica. Ein Jahr später war eine solche Voisin das erste Flugzeug in Chile - und Emilio Edwards Bello war sein Pilot.

Auch die Avro 504K war ein Exportschlager. Mit diesem Typ gründete Chile 1919 seine Luftwaffe zu Land und zur See. Erst 1943 wurde die 504K ausgemustert, nachdem sie viele Jahre als Trainer Verwendung fand.
40 Douglas B-26 Invader zählten von 1954 bis 1972 zum Inventar der Chilenischen Luftwaffe. Darüber hängt ein LET L-23 Super Blanik Segelflugzeug aus tschechischer Produktion.
Weltweit Maßstäbe setzten und setzen noch immer die deutschen Segelflugzeugbauer. Im Hintergrund die legendäre Minimoa aus dem Jahr 1935, im Vordergrund ein Scheibe Specht, entwickelt im Jahr 1953. Die Erfolgsmodelle wurde in die ganze Welt exportiert.
Leonardo da Vinci bei der Arbeit. Auch wenn seine Entwürfe nie einen Menschen durch die Lüfte getragen haben, waren sie doch wegweisend und finden sich in erfolgreichen Fluggeräten des 19. Jahrhunderts wieder .
1975 erwarb die Armada de Chile drei Embraer EMB 110CN Transporter und drei Jahre später sechs Seeaufklärer dieses Typs für die Marine. Die ausgestellte Maschine diente beim VC-1 Squadron der Chilenischen NAVY ehe sie ausgemustert und an das Museum übergeben wurde.
Der Nachbau einer Bristol M1C mit unbestanntem Rumpf zeigt die filigrane Holzbauweise, wie sie in der Zeit des ersten Weltkriegs noch üblich war. Ab 1917 produziert war der Eindecker nicht auf dem europaischen Kriegsschauplatz eingesetzt.
Ab Mitte der 50er Jahre fast 30 Jahre lang produziert und von Airlines und Luftwaffen auf der ganzen Welt gekauft arf die Fokker F-27 Friendship durchaus als eines der erfolgreichsten Passagier- und Transportflugzeuge bezeichnet werden.
Von den insgesamt 616 gebauten Cessna A-37 gingen zwischen 1975 und 1977 34 Stück über ein militärisches Hilfsprogramm (MASF) der USAF nach Chile. Später erwarb Chile weitere zehn Maschinen, die von 1992 bis 2009 bei der Grupo de Aviación in Punta Arenas stationiert waren.
Das chilenische Militär war ein treuer Kunde europäischer Flugzeugbauer. Neben der Hawker Hunter, von der Chile zwischen 1970 und 1985 29 Stück betrieb, kaufte Chile auch die Dassault Mirage 5. Die letzten der 17 Mirage wurden 2009 ausgemustert.
Die Canberra kennt man aus vielen Museen. Drei PR-9 Aufklärer fanden 1982 ihren Weg nach Chile, wo sie bis 1995 im Dienst waren. Zwei der drei Canberras gingen anschließend an das Museum.
Und beim Verlassen des Museums wird der Besucher von einer weiteren C-47, diesmal im Farbschema der Fuerza Aérea de Chile aus dem Jahr 1960 verabschiedet. Ein schöner Abschiedsgruß für einen wirklich interessanten Museumsbesuch.
 

 

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