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Osterfest auf Neuseeländisch

- die Classic Fighters Airshow in Omaka -

Wer eine Reise in das Land der langen weißen Wolke plant, der wird - ob er es will oder nicht - mit diversen Mythen konfrontiert. Dreht ein Strudel !down under" in die gleiche Richtung wie bei uns in der nördlichen Hemisphäre oder doch anders herum? Diese Frage hat sich schon Bart Simpson, der Junior der berühmten gelben Familie aus Springfield gestellt. Und stehen die Menschen auf der anderen Seite der Erde auf dem Kopf?

Nun, die Geschichte mit dem Strudel ist inzwischen durch die Wissenschaft aufgeklärt. Dass die Neuseeländer Kopf stehen, das habe ich allerdings selbst miterlebt. Letzten April, am Omaka Aerodrome, inmitten der berühmten Weinregion Marlborough auf der Südinsel Neuseelands.

Auslöser für dieses lokale Phänomen ist eine außergewöhnlich starke Konzentration von historischen Flugzeugen, Fahrzeugen und fröhlichen Menschen in alten Uniformen. An ungeraden Jahren zum Osterwochenende wird das staubig trockene Vorfeld dieses vom Marlborough Aeroclub betriebenen Flugplatzes für wenige Tage zu einer gewaltigen Showbühne, auf der sie alle ihre Leidenschaft ausleben und damit zigtausende Besucher aus aller Welt in ihren Bann ziehen.

Klingt übertrieben? Keineswegs! Schließlich stehen nicht weniger als acht Fokker Dr.I in den farbenprächtigen Anstrichen der berühmten Jasta 11 sauber aufgereiht im WWI Aircraft Park. Das ist immerhin die Hälfte der Gesamtstärke einer Jagdstaffel Ende 1917. Flankiert werden die bunten Dreidecker von Fokker D.VII, Pfalz D.III und Albatros D.Va Doppeldeckern sowie einem Fokker D.VIII Parasol-Hochdecker. Einträchtig daneben die großen Gegner von einst: Nieuport 11, Sopwith Camel, Sopwith Pup, S.E.5a und Airco DH.5. Ein großer Teil der Flugzeuge gehört zu der großartigen Sammlung von "The Vintage Aviator" in Masterton. Sie haben ihren Weg über die Cook Strait nach Omaka gefunden. Die meisten übrigen Maschinen haben ein Heimspiel. Sie gehören zu der Flotte von Sir Peter Jacksons Aviation Heritage Museum. Allein sieben der acht Dr.1 entstammen dieser erlesenen Sammlung.

Uniformierte bewachen die wertvollen WWI Flugzeuge

Die wertvollen Maschinen stehen eingebettet in das "Living History Camp", ein großes Zeltlager, das von Uniformierten der unterschiedlichsten Nationen, Waffengattungen und Dienstgrade bevölkert wird. 120 Reenactors in historischer Bekleidung und Ausrüstung. Da hält dann schon mal ein Offizier des deutschen Afrika Korps im kurzen Beinkleid ein Schwätzchen mit dem Kollegen von der Britischen Luftwaffe, während daneben der brave Infanterist mit Stahlhelm und Karabiner hinter einem Schutzwall aus Sandsäcken durch seinen Feldstecher die Umgebung mustert. Zudem patroullieren neben einer Menge Fußsoldaten auch ein BMW Kraftrad mit Beiwagen und diverse weitere Kräder, Jeeps und Kübelwagen auf und ab. Kein Zweifel - in Fort Knox wären die Flugzeuge auch nicht sicherer aufgehoben.

Der Weg zum WW II Aircraft Park führt zwischen Classic Car Display und Food Court hindurch - und er ist nicht ganz ungefährlich, läuft man doch ständig Gefahr, von Bengels in Kleidung aus dem 19. Jahrhundert angefahren zu werden, die auf ihren Lauf- und Hochrädern zwischen den Besuchern herumfahren. Aus dem Programmheft erfahren wir: das ist der Oamaru Ordinary Cycle Club... Andererseits wäre erste Hilfe jederzeit gewährleistet, denn Krankenschwestern aus beiden Weltkriegen befinden sich an Ort und Stelle. Wenn sie nicht gerade in der Schlange vor der Bratwurstbude stehen. Aber der nächste mit einem großen roten Kreuz gekennzeichnete Militärlaster aus dem Jahr 1939 ist sicher nicht weit.

Starke Präsenz alliierter Luftstreitkräfte

Was der erfahrene Warbirdfan von britischen Airshows kennt, findet er auch hier bei der Classic Fighters Airshow wieder. Am roten Stern und der schnittigen Erscheinung unschwer zu erkennen stehen da zwei Yak-3 neben Spitfires der Versionen Mk.IX und TR 9. Die tiefen Töne steuert eine Mk.XIVe Spitfire mit Rolls Royce Griffon und Fünfblattprop bei. Für die amerikanischen Luftstreitkräfte des zweiten Weltkriegs stehen P-40E und P-40N Kittyhawk, P-51 Mustang, Grumman Avenger, FG-1 Corsair und mehrere Harvards.

Und dann steht da noch etwas ganz, ganz Seltenes: Die weltweit einzige fliegende Avro Anson Mk.I. Nicht weniger als einhundert Personen waren an der Restauration beteiligt, nach zehn Jahren Arbeit erhob sie sich im Juli 2012 erstmals wieder in den Himmel über Neuseeland. Sie trägt den Anstrich der K6183 "VX-B" des 206 Sqdn, Coastal Command. Das Original wurde bereits kurz nach dem Eintritt Großbritanniens in den zweiten Weltkrieg bei einem Aufklärungsflug über den Friesischen Inseln von einem Heinkel He 115 Wasserflugzeug abgeschossen. Copilot und Beobachter kamen ums Leben, der Pilot Officer Laurie Edwards hatte die zweifelhafte Ehre, der erste gefangen genommene RAF Pilot und der erste neuseeländische POW des zweiten Weltkriegs zu werden. Und das an seinem zweiten Einsatztag. Nun, heute fliegt sie wieder, die Anson. Und wie! So mancher Zuschauer dürfte sich ungläubig die Augen gerieben haben, in Anbetracht des mehr als dynamischen Displays. Zielabwürfe von Zementbomben inclusive.

Star für einen kurzen Abend

Und die Deutschen? Waren die Balkenkreuze im Lager der Doppel- und Dreidecker noch in der Überzahl, findet sich hier im WW II Aircraft Park nur noch ein Einziges. Aber dieser eine Balkenkreuzträger zieht alle Blicke und Kameras auf sich. Die meisten anderen anwesenden Jagdflugzeuge sind eleganter, schnittiger. Keines sieht so böse aus. Aggressiv wirkt sie, die FW 190 A8/N, mit ihrem paddelartigen Dreiblattpropeller und dem weitspurigen, hochbeinigen Fahrwerk. Sie trägt das Farbschema der Maschine, die Major Erich Rudorffer, ein hochdekoriertes deutsches Jagdfliegerass mit 224 Abschüssen, während seiner Stationierung in Finnland 1944 flog. Und Frank Parker, der Mann, der sie hier in Omaka vorführen darf, er zeigt was sie kann. Und doch kommen nicht alle der geschätzten 35.000 Besucher an diesem Wochenende in den Genuss dieses Anblicks. Denn wie so oft steckt die Tücke im Detail und irgendwie scheinen die FW 190 A8/N ohnehin etwas vom Pech verfolgt. So geschieht es bei der Landung nach der Abendshow am Freitag, dass beim Ausrollen die rechte Bremse ihren Dienst versagt. Man braucht nicht viel technisches Verständnis um zu verstehen, was passiert, wenn dann die Fahrt bereits so gering ist, dass das Seitenruder keine Wirkung mehr hat. Groundloop nennt man das, und er endet meist mit einen unversehrten Piloten, jedoch mit einem verbogenen Flugzeug. So auch in diesem Fall. In hohem Bogen fliegen die hölzernen Propellerblätter davon als das Fahrwerk nachgibt. Als sich die Staubwolke wieder legt, steht Frank Parker neben dem nicht mehr ganz so stolzen Warbird. Für beide ist das Wochenende damit gelaufen. "Nicht so schlimm wie es aussieht" kommt schon bald die erste Einschätzung der Profis von der Chariots of Fire Fighter Collection, der die FW 190 gehört. Ihre Heimat ist ohnehin das Omaka Aerodrome und die Reparatur erfolgt vor Ort.

Sechs Stunden Programm voller Sensationen

Static Display? Gibt es hier nicht. Warum? Ganz einfach: weil alles fliegt. Und nicht nur das. Gegen Mittag steht das "Bluebridge Great War Scenario" auf dem Programm. Nachdem die Doppel- und Dreidecker der Ära 1914-18 gestartet sind, rücken am Boden zwei mächtige Mark I Panzer auf das Flugfeld vor, gefolgt von Infanteristen und Rot-Kreuz-Lastern mit Krankenschwestern. Auf der anderen Seite deutsche Landser mit diversen Fahrzeugen und Geschützen. Während über den Köpfen eine wilde Kurbelei beginnt, bricht am Boden ein erbitterter Kampf um jeden Meter aus. Es knallt und kracht, Rauchpilze steigen auf, verwundete Soldaten werden abtransportiert und einer nach dem anderen kommen die Flieger, eine Rauchfahne hinter sich herziehend, wieder zur Landung zurück. Eine halbe Stunde nachdem dieses Spektakel begonnen hat, kehrt wieder Ruhe ein. Mittagessen für alle!

Bei dieser Show verbietet sich der Gang zur Toilette

Keineswegs beschränkt sich das Showprogramm aber auf die beiden Weltkriege. Auch die Zeit dazwischen und danach findet ihre Repräsentanten. Erstaunlich flotte Solo-Vorführungen von BAC Strikemaster, de Havilland Venom, und Aero L-29 wechseln sich ab mit dem Red Star Yak 52 Display Team und den bekannten Roaring 40s mit ihren Harvards. Beide Teams bestätigen einmal mehr den ihnen vorauseilenden Ruf, erstklassigen und präzisen Formationskunstflug zu bieten. Die RNZAF trägt mit Absetz- und Bergungsdemos von NH90 und UH-1 Hubschraubern ihren Teil zu einem abwechslungsreichen und kurzweiligen Showprogramm bei. Große Flugzeuge wie de Havilland Devon, P-3 Orion und Fokker F-27 Friendship sind ebenso mit von der Partie wie die zeitlosen Klassiker Beech Staggerwing und de Havilland Beaver. Nicht zu vergessen die beiden Douglas DC-3, die immer wieder mit dem Bauch voller Rundfluggäste in den Himmel steigen.

Wenn sich dann am Nachmittag die großen Props der Heavy Metal Fraktion zu drehen beginnen, ist das "WW II Scenario" nicht mehr fern. Dem aufmerksamen Zuschauer ist ohnehin nicht entgangen, dass zwischenzeitlich mehrere V1 Marschflugkörper samt einer Abschussrampe auf dem Flugfeld aufgebaut wurden. Während der örtliche Aeroclub mit zwei Piper Super Cub Buschflugzeugen eine eindrucksvolle Demonstration von extrem kurzen Starts und Landungen abliefert, hat sich im Hintergrund längst etwas zusammengebraut. Und das entlädt sich in einem furiosen Finale. Wieder liegen sich die verfeindeten Bodentruppen gegenüber, dieses Mal mit Unterstützung laut knallender Artillerie. Eine V1 startet - ja wirklich, eine ferngesteuerte V1! - Spitfires, Mustangs und Yaks fliegen Tiefangriffe. Feuerbälle, Rauchsäulen, eine V1 explodiert am Boden weitere wird beschädigt, dazwischen Leuchtkugeln, Maschinengewehrgeknatter und lautes Knallen der Artillerie. Oben kreist die Anson als einziger Bomber. Angriffswelle folgt auf Angriffswelle bis nach einer halben Stunde die Deutschen abgeführt werden und langsam wieder Ruhe einkehrt.

Poppies statt Zementbomben!

Am Sonntagabend wird dann auch klar, weshalb die Besatzung der Avro Anson so eifrig die Präzisionsabwürfe mit Zementbomben geübt hat: Es ist die Crew der Anson, die am Sonntag mit einem letzten Überflug das Ende eines großartigen Air- und Groundshow-Wochendes markiert - mit dem Abwurf tausender Poppies, der bei Groß und Klein beliebten Mohnblume, dem Symbol der Royal British Legion.

Ein Bericht von Gerhard Schmid.

Teil 1 - Am Boden
Acht Fokker Dreidecker in den Markierungen der berühmten Jasta 11 warten auf ihren Einsatz.
Der schwarze Cowboy und der schwarze Dreidecker - was für eine Zusammenkunft...
Gene DeMarco dreht den großen Holzpropeller der Sopwith Camel durch, bevor der Umlaufmotor mit der Hand angeworfen wird.
Wie fliegt so eine Sopwith Camel? Warum knattert der Motor so seltsam? Nach den Flugvorführungen stellte sich Gene DeMarco geduldig den Fragen der begeisterten Zuschauer

Gastpilot aus dem fernen Florida: Kermit Weeks, Besitzer des "Fantasy of Flight Museum" ist selbst Oldtimerfan und flog die Albatros D.Va

Fasziniert von der Flugvorbereitung am Fokker D.VIII Parasol-Hochdecker: Die Infanteristen sehen zu, wie der Pilot die Ventile des Umlaufmotors einzeln schmiert.
Intermezzo mit alten Autos und den sportlichen Radlern vom Oamaru Ordinary Cycle Club auf ihren Hoch-, Lauf- und Rennrädern aus den frühen Tagen der Drahtesel.
Authentisches Outfit ist dabei Ehrensache. Da können die Neuseeländer ihre britischen Wurzeln dann doch nicht ganz verbergen.
Die Rot-Kreuz-Schwestern haben natürlich ihr eigenes Zelt. Und im "Great War Scenario" auch eine wichtige Funktion...
Das "Great War Scenario." Panzer, Infanteristen, Krankenschwestern - und wilde Kurbelei am Himmel über dem Schlachtfeld.
Man stellt sich bei einem solchen Anblick dann schon mal woher die Reenactors nur diesen unglaublichen Fundus an deutschem WW II Gerät haben...
Im WW II Scenario verschwanden alle Möglichen Fahrzeuge, Geschütze, Infanteristen unter heftigem Geknalle in dichtem Rauch.
Eine V-1. Allen Baker und sein Team haben die einst Angst und Schrecken verbreitende Flugbombe als R/C Modell nachgebaut. Flugfähig!
Die V-1 wird auf die Abschussrampe gesetzt und zum Start vorbereitet. Wenig später fliegt sie - von Elektromotoren angetrieben - über dem Omaka Aerodrome.
Eine der beiden P-40 wird zu ihrem Show-Einsatz vorbereitet. Die Piloten sind zwischen ihren Flügen auch für das Publikum greifbar.
Die Classic Fighters Airshow bietet dem Publikum sensationelle Eindrücke. Es gibt wenige Shows, bei denen man derart dicht am Geschehen ist.
Zwei Yak-3 standen für die russischen Luftstreitkräfte im zweiten Weltkrieg. So schnittig wie sie aussehen waren auch ihre displays.
Der Pechvogel des Wochenendes: Frank Parker, der Pilot der FW 190, nach einem air-to-air Fotoshooting am Donnerstagabend. Am Freitag um diese Zeit stand der stolze "Butcherbird" bereits verbogen im Hangar. Frank musste dann andere Flugzeuge fliegen...
Wer einen Blick in das Cockpit der Grumman Avenger werfen möchte, sollte schwindelfrei sein. Sie beeindruck jedoch nicht nur durch ihre schiere Größe sonde auch durch ihre Agilität.
Ein Dauerbrenner bei der Classic Fighters Airshow war die (weltweit einzige) frisch restaurierte Avro Anson, die von ihrer Crew erstaunlich sportlich vorgeflogen wurde.
Hier geht's weiter zu >>>Teil 2
 

 

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